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Editorial:
Tradition in Gefahr
Die neuen Bestattungsgesetze in Deutschland haben es möglich gemacht: Die Zahl der Begräbniswälder nimmt in Deutschland rasant zu, über 50 sind es zurzeit. Einen aktuellen Überblick finden Sie in dieser Ausgabe. Ähnlich wie bei der Welle der Krematoriums-Bauten kann man bei den Bestattungswald-Eröffnungen den Eindruck eines Wettlaufs gewinnen.
Diese Art der Beisetzung findet gegenwärtig ungeahnten Zuspruch in weiten Teilen der Bevölkerung. Aber das Konzept der Bestattungswälder ist noch sehr jung. Es braucht noch ein bis zwei Jahrzehnte Beobachtung, um zu sehen, wie die Angehörigen von Verstorbenen auch über eine längere Zeit mit dieser Bestattungsform umgehen, ob sie ihnen als Ort des Gedenkens ausreicht. Das haben selbst Kirchenvertreter erkannt. Denn bei den Gräbern in Bestattungswäldern fehlt einfach die Individualität, die eine Persönlichkeit auch im Leben ausgemacht hat. Es fehlt eine Grabstätte mit Platz für persönliche Erinnerungen, mit aussagekräftigem Grabmal oder den vom Verstorbenen geliebten Blumen.
Oder brauchen wir dies nicht mehr zur Trauer-Verarbeitung? Können wir in Zeiten der Mobilität, gar der Globalisierung dieser Trauerarbeit keinen Raum mehr zugestehen?
Dann hätten auch andere Formen der Bestattung die Chance, in größerem Umfang gesellschaftlich akzeptiert zu werden. Dabei ist nicht das Verstreuen der Asche aus einem Heißluftballon gemeint, oder die Besetzung auf dem Meeresgrund in durchlöcherten Betondomen, die dann der Fauna bedrohter Riffe als Lebensraum dienen. Die dürften auch weiter zu den exotischen Angeboten gehören. Im September vergangenen Jahres wurde aber beispielsweise im nordrhein-westfälischen Wegberg die Anlage von – pflegelosen – Wiesengräbern diskutiert.
Eine der ungewöhnlichsten Ideen dürfte „die Große Pyramide“ sein, die ein eigens gegründeter Verein „Freunde der Großen Pyramide“ in Deutschland realisieren will. Auch dazu erfahren Sie Näheres in dieser Ausgabe der Friedhofskultur. Der Erfurter Vereinsvorsitzende Jens Thiel warnt, die Globalisierung des Begräbnismarktes habe längst eingesetzt und spielt auf die steigende Zahl deutscher Billigbestattungen in Tschechien an. Wenn Deutschland nicht aufpasse, kämen ihm nicht nur seine Neugeborenen, sondern selbst die Leichen seiner Bürger abhanden.
Abgesehen von den Chancen auf eine Realisierung der Pyramide: Auch bei dieser pflegelosen Bestattungsform gelten die oben geäußerten Bedenken, wie die Hinterbliebenen damit zurechtkommen. Oder ist dies nur eine künstlich hochgehaltene Frage der Friedhofsschaffenden? Eines ist jedenfalls klar: Die traditionelle Bestattungskultur ist in Gefahr.
Liebgard Jennerich
Rechtsfragen:
Das Mahn- und Vollstreckungsrecht ist ein ziemlich stumpfes Schwert - Teil I
Friedhofsverwaltern und Lesern der Friedhofskultur ist Dr. Dr. Tade Matthias Spranger längst kein Unbekannter mehr. Ende Februar bestritt der Bonner Rechtswissenschaftler das Fortbildungsseminar der Regionalgruppe Hamburg und Süd-Holstein zum Friedhofs- und Bestattungswesen. Aus dem weiten Feld wurden dieses Mal die Themenbereiche Kosten, Gebühren und Vollstreckung ausgesucht, zu denen Spranger intensiv Stellung nahm. Mehr dazu in der Friedhofskultur 7/2007 ab Seite 11.
Bestattung:
Der Trend zur Naturbestattung gewinnt an Fahrt
Der Zug wird immer länger und nimmt immer mehr Fahrt auf. Er trägt den Namen „naturnahe Wald- und Baumbestattung“ und scheint genau das Ziel anzusteuern, das ein ständig wachsender Teil der Bevölkerung offenbar erreichen möchte: Eine würdevolle Bestattung im Einklang mit der Natur, in einem überschaubaren Kostenrahmen und vor allem ohne Folgekosten und Nachsorgeverpflichtung.
Und angesichts dieses nicht mehr zu ignorierenden Trends versuchen immer mehr Passagiere, auf diesen Zug aufzuspringen. In der Friedhofskultur vom Oktober 2006 veröffentlichten wir einen Überblick über Anzahl und Standorte von Begräbniswäldern der beiden in Deutschland tätigen Gesellschaften FriedWald und RuheForst sowie von kommunalen und kirchlichen Friedhöfen, die auf ihrem Terrain Baumbestattungen nach vergleichbarem Muster möglich gemacht haben. Seither hat sich so viel verändert, dass eine neue Momentaufnahme angebracht ist. Mehr dazu in der Friedhofskultur 7/2007 ab Seite 14.
Bestattung:
Visionär: Bestattungspyramide als deutsches Weltwunder
Es gibt Menschen, die haben fast unglaubliche Visionen. Einer von ihnen ist der Schriftsteller Ingo Niermann. Der Berliner wird als einer der radikalsten Reformer bezeichnet. Vielleicht nicht zu Unrecht, denn Niermann ist der Ansicht, Deutschland brauche eine Nuklear-, eine Boden-, eine Sprach- und eine Baurevolution. In seinem kürzlich erschienenen Buch „Umbauland“ hat er zehn entsprechende Ideen beschrieben, die sich alle „sofort innerhalb der deutschen demokratischen Ordnung“ umsetzen ließen.
Eine davon ist eine Bestattungspyramide. Gemeinsam mit dem Weimarer Architekten Heiko Holzberger, dem Ökonomen und Vereinsvorsitzender Jens Thiel und vier weiteren Mitgliedern hat der Schriftsteller im November 2006 den Verein „Freunde der Großen Pyramide e.V.“ gegründet. Eine solche Pyramide könnte als potenziell größtes Bauwerk der Erde ein deutsches Weltwunder werden. Mehr dazu in der Friedhofskultur 7/2007 ab Seite 19.
Planung:
Heute die Weichen für die Zukunft stellen
Das größte Risiko liegt heute nicht darin, das Bestehende zu verändern, sondern darin, es nicht zu tun. Wir sind auf dem Weg zu einer neuen wohltuenden Vielfalt, wenn wir entdecken, was den Menschen wichtig und hilfreich ist, wenn wir uns zu den menschlichen Bedürfnissen bekennen, passende Antworten und Projekte finden und Initiativen fördern. Ein Beitrag mit Aussagen zur Stadtentwicklung, zu Zukunftszielen und Angebotsvielfalt. Mehr dazu in der Friedhofskultur 7/2007 ab Seite 20.
Planung:
Friedhofsüberhangflächen wirtschaftlich nutzen - Ideenskizzen
Die wachsende Last der Friedhofsüberhangflächen ist eine der schwerwiegendsten Herausforderungen, vor der die Friedhofsverwaltungen heute stehen. Weil die Problematik sich von Jahr zu Jahr verschärft, finden mittlerweile auch ungewohnte Konzepte Gehör: Alles erscheint denkbar, nur um drohende Dauerdefizite zu verhindern. Überbauung, Gärtnerische Zwischenkultur, Tierfriedhöfe oder aber Fotovoltaikanlagen, Regenrückhaltung oder Ausgleichsflächen. Mehr dazu in der Friedhofskultur 7/2007 ab Seite 24.
Ausbildung:
Jetzt anerkannt: Ausbildung zur Bestattungsfachkraft
Nach einer Erprobungsphase ist mit Verordnung vom 7. Mai 2007 die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft als Ausbildungsberuf anerkannt, und zwar sowohl für das Bestattungsgewerbe als auch für den öffentlichen Dienst. Damit hat die bereits Ende der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gestartete Initiative des Bundesverbandes des Deutschen Bestattungsgewerbes e.V. (BDB) zur Schaffung eines Ausbildungsberufes im Bestattungswesen ein erfolgreiches Ende gefunden. Mehr dazu in der Friedhofskultur 7/2007 ab Seite 27.
Vor Ort :
Betrieb Siegele in Bruchsal setzt auf Friedhof, Floristik und Besonderheiten
Das „Modell Bruchsal“ macht von sich reden. Das neue „gärtnerisch gestaltete Grabfeld mit Grabpflege“ weist einige Besonderheiten auf und wird in seiner Gesamtheit friedhofsgärtnerisch gepflegt. Friedhofsgärtner Martin Siegele hat sich in dieser Sache zusammen mit der Bruchsaler Friedhofsverwaltung sowie der Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner stark engagiert. Informationen über den Betrieb Siegele ab Seite 29 in der Friedhofskultur 7/2007.
Gestaltung:
Modell Bruchsal: Erd- und Urnengräber zu einem großen Garten vereint
Das neue „gestaltete Gräberfeld mit Grabpflege“ im nordbadischen Bruchsal ist eine Weiterentwicklung des bisher weitgehend auf Urnengräber beschränkten Konzepts, ein ganzes Grabfeld gärtnerisch zu pflegen und daher gleich beim Grabverkauf einen Dauergrabpflegevertrag mit der Friedhofsgärtner-Genossenschaft zu vereinbaren. Im Bruchsaler „gestalteten Gräberfeld mit Grabpflege“ – dem Feld 14 – sind neben Urnengräbern auch Erdwahlgräber einbezogen.
Mehr dazu in Friedhofskultur 7/2007 ab Seite 31.
Messe-Nachlese:
Stone+tec 2007 in Nürnberg
Mit über 41000 Fachbesuchern konnte die Stone+tec 2007, 15. Internationale Fachmesse für Naturstein und Natursteinbearbeitung, die vom 6. bis 9. Juni 2007 im Messezentrum Nürnberg stattfand, gegenüber der Vorveranstaltung vor zwei Jahren einen Besucherzuwachs verzeichnen. Mehr dazu in Friedhofskultur 7/2007 ab Seite 33.
Messe-Nachlese:
Argumentationsmappe zur Trauer- und Bestattungskultur vorgestellt
Auf der Fachmesse Stone+tec in Nürnberg stellte Günter Czasny (Firma Strassacker/Süssen) eine Argumentationsmappe für den Themenbereich Trauer- und Friedhofskultur vor. Sie ist gedacht als Argumentationshilfe für die Friedhofs- und Bestattungsbranche, wenn es zum Beispiel auf politischer Ebene um Diskussionen und Entscheidungen im Friedhofsbereich geht. Mehr dazu in Friedhofskultur 7/2007 auf Seite 36.
Friedhofsböden:
"Dauerhafte Funktionsfähigkeit von Friedhofsböden" als Tagungsthema
Wegen ungünstiger Bodenverhältnisse verwesen die Leichname auf vielen Friedhöfen nicht so, wie es der Gesetzgeber vorsieht. Die Gartenakademie Baden-Württemberg griff dieses Thema auf. Am 23. Mai organisierte sie in der Aussegnungshalle des Friedhofs Heidelberg-Pfaffengrund eine Tagung zum Thema „Dauerhafte Funktionsfähigkeit von Friedhofsböden.“ Mehr dazu in Friedhofskultur 7/2007 ab Seite 37.
Geschichte:
Meister der Gartenkunst
Lebende und Tote vereint - Wilhelm Cordes
Beim Abschied alter Bekannter fällt in Hamburg neben „Tschüss“ oft der Satz „In Ohlsdorf sehen wir uns wieder“. Diese Worte zeigen die Verbundenheit der Hanseaten mit ihrem größten Begräbnisplatz, dem Ohlsdorfer Parkfriedhof. Idee und Planung stammen von Wilhelm Cordes (1840-1917). Er hat mit diesem, seinem Friedhof, sich und den Hamburgern ein zeittypisches und gleichzeitig lebendiges Denkmal gesetzt. Mehr zum Leben und zur Grabstätte Wilhelm Cordes´ in der Juli-Ausgabe der Friedhofskultur.
Technik:
Friedhofsbagger
Das Thema „Baggereinsatz auf dem Friedhof“ findet immer wieder großes Interesse bei unseren Lesern, aber auch bei den Besuchern von Fachmessen. So wird man beispielsweise in diesem Jahr wieder in Essen auf der „Friedhofstechnik“ am 20. September eine große Menschenmenge beobachten können, die interessiert alle Vorführungen im Gelände verfolgt und dort die einzelnen Baggertypen im Vergleich begutachtet. Bei uns lesen Sie wieder die wichtigsten Vergleichsmöglichkeiten der einzelnen Modelle – aktuell zusammengefasst. Mehr dazu in Friedhofskultur 7/2007 ab Seite 40.
Buchtipp:
Waldesruh statt Gottesacker
„Hier in kühler Walderde unauffällig begraben zu liegen, müsste süß sein. […] Ein Grab im Wald zu haben, wäre schön. […]. Ich wünschte mir solches.“ So schrieb Robert Walser bereits vor 90 Jahren in seiner Erzählung „Der Spaziergang“. Seit einigen Jahren sorgt ein neues Bestattungskonzept immer wieder für Aufmerksamkeit – die Beisetzung im Wald.
Ein Grabplatz unter Bäumen in ausgewählten Waldgebieten als Alternative zum Friedhof erfährt eine große Resonanz und verbreitet sich stetig. Wie kommt es, dass der Wald als 'letzter Ort' einen derartigen Zuspruch erhält? Wie ist die zunehmende Verbreitung der Bestattung unter Bäumen kulturwissenschaftlich und soziologisch zu erklären? Die Autorin geht in ihrer Studie der Bedeutung der Grabstätte in Vergangenheit und Gegenwart auf den Grund.
Nicht nur die alltäglichen Lebensumstände, auch der Umgang mit Tod, Trauer und Bestattung haben sich innerhalb der vergangenen Jahrzehnte grundlegend gewandelt. Der Friedwald ist Ausdruck und Folge dieser Veränderungen. Sylvie Assig bringt ihn in Beziehung zu den zeitgeschichtlichen Entwicklungstrends der Anonymisierung und Individualisierung im Bestattungswesen.
„Waldesruh statt Gottesacker. Der Friedwald als neues Bestattungskonzept. Eine kulturwissenschaftliche Spurensuche“, von Sylvie Assig. 2007, 166 Seiten, 32 S/W-Abbildungen, Ibidem Verlag, Stuttgart. Paperback. 24,90 Euro, Art.-Nr. 8023.
Buchtipp:
Luca und der Schmetterling
Der kleine Luca steht in diesem einfühlsamen Trostbuch für ein Kind, das stirbt. Luca läuft hinter einem Schmetterling her, vergisst die Welt um sich herum und wird von einem Zug überrollt. Seine Eltern sind sehr traurig über seinen Tod. Doch nach und nach lernen sie, wie sie über die Sprache der Herzen ewig mit Luca verbunden bleiben können. Eine Geheimsprache hilft ihnen dabei.
In dieser Geschichte liegt viel Trost. Sie soll Familien, die ein Kind verloren haben, helfen, Hoffnung zu schöpfen und zu erfahren, dass ein Weiterleben möglich ist, weil mit dem Tod die Liebe nicht stirbt.
Das Bilderbuch vom Abschiednehmen eignet sich für Familien, die ein Kind verloren haben, für Kinder ab 4 Jahren, Eltern, ErzieherInnen, LehrerInnen und PfarrerInnen.
„Luca und der Schmetterling“ von Sabine Herrmann, mit Illustrationen von Jo Bahde. Gütersloher Verlagshaus. 1. Auflage 2007. 28 Seiten mit zahlreichen farbigen Zeichnungen. Gebunden. 12,95 Euro, Best.-Nr. 13792.
Buchtipp:
Wohin mit den Toten?
Der Frage „Wohin mit den Toten?“ nimmt sich Dr. theol. habil. Ronald Uden, Pfarrer und Privatdozent für Praktische Theologie und Christliche Publizistik, in seinem neuen Buch an. Er beleuchtet die Bestattungskultur in Mitteleuropa und zeichnet den Wandel vom pompösen Event-Begräbnis bis zur würdelosen Ex- und Hop-Entsorgung des Verstorbenen auf. Riten, Straßenkreuze, Tod in den Medien, Abschied in unserer, aber auch in anderen Religionen, den Themen sind in diesem Buch ebenso Kapitel gewidmet wie den Veränderungen in der Abschieds-, Trauer- und Gedenkkultur. Roland Uden ermittelt Konstanten und leitet Konsequenzen ab. Er verzichtet bewusst auf theoretische Abhandlungen, sondern will vor wissenschaftlichem Hintergrund zu einer Reflexion persönlicher praktischer Lebensfragen anregen. Das Buch eignet sich nicht nur für denjenigen, der täglich mit dem Tod und Trauernden in Berührung kommt, sondern regt jeden zum Nachdenken über den persönlichen Tod, die Trauer und Erinnerungen an.
„Wohin mit den Toten? – Totenwürde zwischen Entsorgung und Ewigkeit“ von Ronald Uhden, 1. Auflage 2006, 224 Seiten, kartoniert. Gütersloher Verlagshaus. 19,95 Euro, Best.-Nr. 13793.
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